Welcher dominante Herr hatte diese Fantasie noch nicht? Eine Sklavin zuhause zu haben, die nur dafür da ist, Dir zu dienen. Die jederzeit für Dich verfügbar ist. Die Dich nachts weckt für einen Blowjob und sich dann einfach wieder auf den Boden oder in ihren Käfig legt, wenn Du zufrieden bist…  

Das erste Mal, als ich von so etwas hörte, war mir klar: Das gibt’s nur in der Fantasie. Wer würde das denn bitte real machen wollen?

Doch je mehr ich von der Vielfalt menschlicher Sexualität erfahren durfte, desto klarer wurde mir: Solche Menschen gibt es. Frauen, Männer, jene dazwischen und außerhalb, die im Service loslassen können. Denen, die ihre Position unter ihrer Herrschaft so viel gibt, dass sie diese Konstellation bzw. Dynamik auch langfristig leben wollen. 

Und so eine Person durfte ich letztes Wochenende kennenlernen. 

Was ich vorher von der Sklavin wusste

Nennen wir sie Stefanie. Sie ist in einer Spielbeziehung mit einem Dom, der sie gerne an andere Herrschaften verleiht. Stefanies Aufgabe: die anderen Herren für ihren Dom zufrieden stellen. 

Damit kein Zweifel bleibt: Ja, das geschieht mit Stefanies vollstem Einverständnis. Für sie ist es ein Kick, nicht nur ihrem Herrn zu dienen, sondern ihm auch zu gehorchen, wenn sie bei anderen Herrschaften ist. 

Einer dieser Herren ist tatsächlich mein Beziehungsmensch, Sir Chris. Auch er hegt die Fantasie, eine Sklavin oder Zofe zuhause zu haben. Durch diesen Dom konnte er sich diese Fantasie bereits ein paar Mal mit anderen Subs erfüllen. Als der Dom ihm von seiner neuen Dame Stefanie erzählte, war das Interesse entsprechend groß. 

Ihre ersten zwei Besuche fielen in eine Zeit, als ich unterwegs war. Ich erfuhr einige Details und wurde immer neugieriger. Wer ist diese junge Frau, die genau weiß, was sie will und es sich auch nimmt? Deren Feedback an ihren Dom nach dem ersten Besuch bei meinem Partner war, dass er zu inkonsequent war und nachlässig wurde (nach so zwölf Stunden Session)? Die Schmerzen hasst – sie aber als Bestrafung für Fehler akzeptiert. Denn nur so könne sie lernen, die “perfekte Sklavin” zu sein. 

Möchte sie das wirklich? Erfüllt sie das? 

Fragen über Fragen wirbelten in mir herum. 

Dann der Moment: Stefanie kommt wieder zu Besuch. An einem Tag, an dem ich auch da bin. 

Begegnung mit der Sklavin

Zuvor war klar mit Stefanies Dom abgesprochen, dass ich wirklich nur “Zaungast” bin. Ich sehe zu, aber ich interagiere nicht mit ihr. Ich bin einfach neugierig. 

Ebenso gespannt war unser Besuch am Samstag: Angereist für einen Massageaustausch, wollten sie noch bis 20 Uhr bleiben. Stefanie war für 18 Uhr angekündigt. Der Plan: Sie kommt herein, geht ins Schlafzimmer, liest die Anweisungen durch, die Sir Chris ausgedruckt bereitgelegt hat. Bei Fragen kommt sie mit dem Blatt in der Hand ins Wohnzimmer. Wenn alles klar ist, führt sie ihre Aufgaben aus. 

Es war ihr klar. Während ich also mit den Gästen sprach, kam plötzlich eine junge, blonde Dame ins Wohnzimmer. Sie krabbelte auf allen Vieren, der Blick gesenkt. Ihr Ziel: ein Fell vor dem Kamin. Dort zog sie ihr enges Oberteil und ihren Rock aus. Die kniehohen Stiefel blieben dran. 

Dann saß sie dort, aufrecht auf den Knien, Beine breit, Arme am Kopf. Eine der Sklaven-Positionen, die ich auch schon ein paar Mal eingenommen habe und dadurch wusste, dass sie mit der Zeit sehr, sehr anstrengend werden können. 

Ein Teil von mir versuchte zu erahnen, wie viel Spaß ihr das macht. Doch ohne sie zu kennen, war das nicht einzuschätzen. 

Projektion meiner Vorlieben

Diese Skepsis ist klar eine Projektion. Ich selbst bin einfach keine Sklavin. Zu Beginn meiner Forschungsreise im BDSM dachte ich, so eine Person steckt in mir. Schließlich möchte meine devote Seite gefallen und auch dienen. Doch in einem sehr überschaubaren Rahmen. 

Ich bin einfach ein situationsabhängiger Schlafzimmer-BDSMler, kein Lifestyle Sub. 

Für Stefanie scheint es ein tief angelegter Wunsch zu sein, so zu leben. Für sie wäre es in dieser Situation im Wohnzimmer ein Bruch mit ihrer Rolle, am Tisch mit uns zu essen. 

Deshalb stand ihre Salatschüssel am Boden und sie aß ohne Besteck, mit den Händen auf dem Rücken. Der eine Gast, der noch da war, konnte kaum glauben, was passierte. Auch ich war fasziniert. 

Meine dominante Seite mag keine Erniedrigungen, und alles in mir wollte das “arme Mädchen” anziehen, an den Tisch setzen, und sie gemütlich etwas essen lassen. 

Aber das ist meine Projektion. 

Große Salatschüssel am Boden für Sklavin mit Schuhen unter dem Tisch.

Das Spiel beginnt 

Unser Besuch konnte sich gar nicht losreißen. Er fragte, ob er eine Bestrafung mit ansehen dürfe. Stefanie war zu spät gekommen, also stand wirklich eine an. 

Doch bis der Punkt der Bestrafung in der gemeinsamen Zeit zwischen Stefanie und Sir Chris kommen würde, hätte es noch länger gedauert. Stefanie braucht – so weiß mein Partner – immer etwas Zeit, um in die Rolle reinzufallen. Der Switch von Stefanie als Person zu Stefanie als Sklavin im Dienste eines anderen Herrn für ihren Dom ist ein Prozess. Normalerweise wird sie von ihrem Dom persönlich “überreicht”, was es ihr einfacher macht. Heute hat das nicht funktioniert. 

Auch mein Impuls war, den Gast wegzuschicken und ich geleitete ihn zur Tür. Danach verabschiedete ich mich auch für einige Zeit aus dem Wohnzimmer, denn ich musste dringend für meinen Trip nach Stuttgart packen. 

So hatten mein Partner und Stefanie alleine Zeit, um anzukommen und ihre gemeinsame Dynamik zu finden. 

Als ich wieder zurückkam, war das Bild, das sich mir bot, keine Überraschung: Stefanie zwischen seinen Beinen, er nackt bis auf ein T-Shirt. 

Ich machte es mir auf der Couch gemütlich. 

Stefanie, so konnte ich sehen, war nun wirklich im Headspace als Sklavin angekommen. Anscheinend hatte sie, bevor ich ankam, noch nichts Sexuelles machen dürfen mit meinem Partner. Er zeigte ihr seine Erektion, die sie mit sehnsüchtigen Augen ansah. 

Das ganze in Erzählungen zu hören versus in der Realität zu erleben, ist ein gravierender Unterschied. Ich konnte nicht umhin, mich zu fragen: Meint sie diese Sehnsucht wirklich? Oder spielt sie es?

Wenn sie es spielt, ist sie eine verdammt gute Schauspielerin. 

Ich muss zugeben, es war schon hoch erotisch zu sehen, wie sie immer wieder flüstert, “Bitte, darf ich Deinen Schwanz blasen?” und jedes Mal, wenn sie ihn fast bekommt, weiter verzweifelte, während mein Partner sehr fies grinste. 

Orgasmus Marathon

Stichwort fies: Das kann mein Lieblingsmensch wirklich gut. Auch er braucht aber das entsprechende Gegenüber, dem das gefällt. Deshalb kniet eben Stefanie vor ihm als Sklavin, nicht ich. 

Ich weiß aus seinen Erzählungen, dass Stefanie unglaublich gerne kommt. Ihre Orgasmen sind wohl Ganzkörper-Ereignisse und so intensiv, dass ein Orgasmusverbot die höchste Strafe für sie ist. 

Ich wollte das sehen – was wohl ein Grund war, warum es zum Hauptspiel ihres Besuchs wurde, Stefanie so oft zum Kommen zu bringen, dass sie irgendwann bettelt, es nicht mehr zu müssen. 

Nachdem ich den ersten Orgasmus im Wohnzimmer miterleben durfte, war ich einfach nur sprachlos. Ein Teil von mir beneidet Stefanie um diese Funktion ihrer Biologie. Meine Höhepunkte sind nur ein Bruchteil so intensiv.

Ich reiste am nächsten Tag ab, also bekam ich nur den Anfang des Wochenendes mit. 

Doch inzwischen weiß ich: der Plan ging auf. Stefanie hat gebettelt.

Bestrafung im Schlafzimmer

Ein weiteres Highlight meiner Zeit als Beobachtende: die Bestrafung. 

Inzwischen haben wir zuhause ein Bett, an das ein Strafbock passt. Darüber beugte sich Stefanie, Fußfesseln am Bett angekettet. Hände sollten unten bleiben. 

Sie war zu spät angekommen. Auch wenn unerwartet Stau war, ist es ihre Aufgabe, pünktlich zu erscheinen. 

“Was erscheint Dir fair? Wie viele Schläge?”

Stefanie fand 18. Mein Partner fand 30. 

Stefanie durfte aber noch aussuchen, wie viele Schläge mit welchem Instrument. Zur Auswahl standen ein Rohrstock, ein Paddle und ein roter Flogger. Der Flogger ist der sanfteste – einen ähnlichen habe ich auch im Repertoire. 

Drei mit dem Rohrstock, sieben mit dem Paddle, und 20 mit dem Flogger. 

Drei Schlaginstrumente auf einem weißen Fell zur Auswahl für die Sklavin: roter Lederflogger, Paddle, Rohrstock.

Zu sehen, wie Stefanie sich vor Schmerzen krümmte und laut schrie, zeigte mir wieder, dass ich ein Pleasure Dom bin. Einer Person so fest weh zu tun, auch wenn sie es als Strafe gutheißt, widerstrebt mir. Da bestrafe ich als Dom lieber anders…

Und als Sub? Wie Stefanie mag ich keine Schmerzen. Ich habe keine Ambitionen, “perfekt zu dienen”, doch wenn ich in einem Spiel einen Fehler mache, dann finde auch ich Bestrafung angemessen. Aber… im Rahmen. 

Lesen neben der Spielwiese

Inzwischen war es spät. Ich war echt müde, aber das Bett war “belegt”. Ein Teil von mir war neugierig, wie die beiden weiter interagieren. 

Doch um meine gesamte Aufmerksamkeit zu fesseln, reichte es nicht. Ich schaue ja auch keine Pornos. Meine Neugier an Stefanie und wie sich die Dynamik mit meinem Partner gestaltet, war befriedigt. 

Also machte ich es mir auf einer Decke neben dem Bett gemütlich und las auf meinem iPad (Courage is Calling, Ryan Holiday). Ich markierte Highlights und blickte immer wieder zu den beiden auf.

Ein Moment davon blieb mir stark in Erinnerung. Mein Partner befahl ihr, ihn beim Blowjob anzuspucken. Für Stefanie ein No-Go – als Sklavin kann sie den Herrn nicht anspucken. Aber es war ein Befehl. Er mag das. Was tun?

Mein Partner gab ihr die Wahl: Anspucken oder fünf Ohrfeigen. 

Ohrfeigen hasst Stefanie auch. Doch sie stehen nicht auf ihrer Tabuliste. 

Sie überlegte einige Zeit. Ich merkte, wie sie hin- und hergerissen war. Schließlich nahm sie die Ohrfeigen in Kauf. 

Mein Fazit

In solchen Momenten merke ich wieder, wie sehr mich der psychologische Aspekt von Kink und BDSM fasziniert. 

Seit dem Wochenende bin ich großer Fan von Stefanie geworden. Sie ist zwar noch sehr jung, aber sie weiß genau, was sie will. Und sie hat die mentale Stärke sowie die echt attraktive Ausstrahlung, um das zu bekommen. 

Ebenso faszinierend war es, eine Seite meines Lieblingsmenschen zu sehen, die er mit mir nicht ausleben kann. Seitdem schätze ich seine dominante Seite noch viel mehr – auch wenn sie mit meiner Hingabe wenig kompatibel ist. 

Für mich kristallisierte sich an dem Tag aufs Neue heraus, wo meine Grenzen liegen. Ja, ich habe eine devote Seite in mir. Ich gebe unglaublich gerne Lust und genieße es zu wissen, dass ich sie ausgelöst habe. Ich möchte aber nicht “benutzt” werden. Fessel mich, spiel mit mir, nimm Dir, was Du möchtest – aber zeige mir dabei, dass Du mich als Person wertschätzt und achte darauf, dass ich mich gut fühle.

Hm… Das passiert eigentlich auch mit Stefanie. Nur sind Stefanies Kriterien für “sie fühlt sich gut” ganz anders als meine.  

Ich möchte keine Erniedrigung – neben dem Tisch auf dem Boden essen? Nur ein Beispiel, aber NEIN. 

Sie darf auch keinen Speichel schlucken. Dadurch sabbert sie beim Oralverkehr extrem. Als ich sah, wie mein Partner ihr das dann ins Gesicht schmierte, wusste ich: Das wäre ein Moment gewesen, in dem ich mein Safeword genutzt hätte. Weil… Nein. Einfach nein. 

Oder auch die Aktion in der Nacht. Stefanie hatte die Aufgabe, ihn um 00:30 Uhr für einen Blowjob zu wecken. Schafft sie es, ihn innerhalb von fünf Minuten zum Höhepunkt zu bringen, darf sie die restliche Nacht durchschlafen. Wenn nicht, geht der nächste Wecker um 01:30 Uhr… und so weiter. 

Meine Frage: “Ja, aber Du schläfst ja dann auch nicht.”

Sir Chris: “Das ist es mir aber wert.”

Leicht amüsiert versorgte ich mich mit Oropax, bevor wir ins Bett gingen. Es war Mitternacht, also entfiel der 00:30 Uhr Wecker. 

Als ich dann um 01:32 Uhr wach wurde, weil neben mir ein wilder Blowjob passierte, fragte ich mich nur: Warum? Wollt ihr nicht schlafen?

Aber hey, Vorlieben sind eben unterschiedlich. Menschliche Sexualität ist ein weites Feld – und das ist gut so! 

Zum Glück gab es keine weiteren Wecker in der Nacht. Sicherlich auch mir zu liebe. 

*

Die Erfahrung dieser wenigen Stunden schwingt auch einige Monate später in mir nach. Nun, da Sir Chris endlich als Dom aktiv wird, darf ich sie teilen. 

Mehr zu Sir Chris, einem meiner Ansicht nach sehr empathischen Dom für Frauen, findest Du hier

 

Hinterlasse einen Kommentar