Seit Jahren steht es auf meiner mentalen Liste, immer kam irgendwas dazwischen. Als es 2025 wieder nicht mit einem Besuch auf der BoundCon München klappte, blockierten Sir Chris und ich das erste Juni-Wochenende gleich für 2026 im Kalender. Und voilà: Wir schafften es auf die Fetisch-Messe!
Was erwartet mich da? Wird es extrem? Was passiert im Rope Space? Was auf der Main Stage? Und was auf der abendlichen Party, der SubRosaDictum? Komm, ich nehm Dich an die Hand und zeige Dir, was ich erleben durfte.
Freitag: Zwischen Schlendern und Ernüchterung
Die BoundCon ist „die“ Fetisch-Messe Deutschlands, somit waren unsere Erwartungen entsprechend hoch. Bisher war ich zweimal auf der BoFeWo, der Bondage Fetish World, die ich als sehr schöne, intime (da überschaubare) Messe im Südwesten von Frankfurt erleben durfte.
Eine Con in München? Da erwartete ich mindestens das Doppelte. Umso unterwältigter war mein erster Eindruck: Es gibt nur eine Halle. Zwar mit mehr Ständen als auf der BoFeWo, aber auf der gleichen oder ähnlichen Fläche. Die meisten Stände waren mir von der Venus oder der BoFeWo bekannt. Hm.
Wenigstens war wenig los am Freitag. Dadurch blieb Raum zum Schauen, Stöbern und für erste Einkäufe. So hatte ich Zeit, mich bei Benno von Stein vor dem großen Andrang durch seine Fetisch-Outfits zu probieren und mich unsterblich in einen Rock mit Glitzer zu verlieben. Und ein Oberteil. Und einen Rock in kürzer. (Ja, es wird ein teurer Messe-Besuch.)
Beim Stöbern entdeckte ich auch einen Stand, den es bei der BoFeWo nicht gab: Fernando Berlin. Er macht sagenumwoben schöne Stiefel, welche die Füße vieler dominanter Kolleginnen zieren. Auch Andy Buru hat ein paar, die er sehr effektvoll in Szene setzt.
Fernandos Mitarbeiter hatte viel mit mir und meinen seltsamen Füßen zu tun, bis ich ein Modell fand, das bequem war und meinen Charakter widerspiegelte.
Am nächsten Tag zog ich sie gleich an, zusammen mit dem Rock und Oberteil von Benno von Stein. Nice, oder?

So unterwältigt ich von der Messe an sich war, umso froher war ich, dass ich VIP-Tickets gebucht hatte. Als VIP hatte ich Zugang zur Lounge mit Buffet und Getränken. Sonst wäre es für mich als vegan lebende Person echt schwer gewesen, meinen Blutzuckerspiegel bei Laune zu halten.
Begegnungen: Das Herz der Szene
Viel Zeit auf der Messe bedeutet auch, sich mit den Stand-Betreibenden unterhalten zu können. Und genau das wurde zu meinem Highlight: herauszufinden, was die Menschen hinter den Ständen motiviert und was sie auf den Kink-Markt gebracht hat.
Dabei traf ich eine Münchner Kolleg*in, die Du vielleicht schon kennst: Lillian van de Nacht. Sie half an einem Stand für handgefertigte Kettenoberteile aus und trug selbst ein wunderbares schwarz-goldenes Exemplar.

Sie animierte mich, auch eins anzuprobieren – und ich war überrascht, wie toll es sich anschmiegt und wie sexy ich mich darin fühle. Der Macher passt jedes Teil individuell an, somit ist die Marke wunderbar inklusiv und für jede Körperform geeignet. Das finde ich mega. Auch der Anblick begeisterte mich, und die Vielseitigkeit: Ich werde ein Teil davon auch über T-Shirts oder Pullis tragen!
Allgemein bestärkte sich mein Eindruck: Die Szene ist unglaublich kreativ, und da steckt enorm viel Potenzial.
Ach, und Lillian merkst Du Dir bitte. Am Ende verrate ich Dir, warum…
Samstag: Wenn die Halle zum Laufsteg wird
Was ich am Freitag nur erahnen konnte, explodierte am Samstag: die Vielfalt der Szene in voller Pracht!
Plötzlich war die Halle voll, und mit den Menschen kamen die Outfits. Von Latex über Leder bis zu einer Gruppe, die sich komplett im Mad-Max-Stil aufgemacht hatte – die zog draußen sogar eine beeindruckende Performance auf. Drinnen ging es ebenso vielfältig weiter: Auf der Main Stage gab es Fessel-Shows und auch Pole-Dance-Acts. Nahe der Main Stage war ein Rope Space aufgebaut, in dem Besuchende frei fesseln durften.
Besonders gefreut hat mich die Begegnung mit Miss Elektra, die ich bisher nur aus Videos auf Instagram und TikTok kannte. Von Angesicht zu Angesicht ist sie noch fabelhafter! Sie hatte zusammen mit Miss Felina einen eigenen Stand mit einer herrlich frechen Idee: ein Glücksrad für Subs. Die Preise reichten von „Füße lecken dürfen“ bis CBT und mehr.
Bei so viel Trubel meldeten sich allerdings auch meine Grenzen. Ich bin kein Mensch für große Veranstaltungen. Meine sozialen Akkus sind schnell leer. Am Freitag ging das gut, aber am Samstag merkte ich deutlich, wie voll und laut es um mich herum wurde. Gut, dass vor der Party noch eine Pause lag.
SubRosaDictum: Die Party zwischen Glanz und Ernüchterung
Abends ging es dann auf die Messe-Party, die SubRosaDictum. Für 78 € pro Person echt ein teurer Spaß. Aber Sir Chris und ich dachten uns: Wenn wir schon mal hier sind, lernen wir auch das kennen. Du kannst nur einschätzen, ob Dir etwas gefällt, wenn Du es ausprobierst. Im Leben wie in der Sexualität!
Das Kesselhaus lag perfekt, genau gegenüber der Messehalle. Wir zogen uns also im Parkhaus um – ich schlüpfte in mein Federn-Outfit von Benno von Stein. Sir Chris hatte viel Spaß, mir beim äußerst eleganten Umziehen zuzusehen …

Irgendwann war ich dann auch mal fertig.

Da wir auf eine Freundin warteten, bekamen wir einiges vom Eingang mit. Mich begeisterte die Vielfalt an Menschen und Persönlichkeiten, die dabei waren. Unscheinbare Menschen, schillernde Persönlichkeiten, Menschen im Rollstuhl, groß, klein, dick, dünn. So bunt zeigte sich die Community schon am Eingang.
Drinnen war es noch spannender. Wir fanden eine Bar und orderten Getränke. Die Musik in der ersten Halle war schon zu Beginn übersteuert. Draußen gab’s zum Glück viel Platz und gutes Wetter. Bei spannenden Gesprächen verpuffte die Zeit. Als Sir Chris und ich dann eine Runde drehten, war es schon nach Mitternacht.
Im ersten Dance Floor erlebte ich eine enorme Bandbreite an Kinkstern, von ausgefallenen Latex-Kostümen über aufwändige Eigenkreationen mit viel Liebe zum Detail bis hin zu bewusst schmerzhaften Stiefeln und vieles mehr… wow! Im Vorbeigehen sah ich noch etwas leuchten – ein Buttplug, der den Boden unter der tragenden Person erhellt.
In der Playarea war alles eher performativ. Ich merkte, dass die dort interagierenden Personen vor allem auch für das Publikum spielen. Okay, fast alle: eine blonde Dame in weißem Latex mit glitzernden Stiefeln verwöhnte ihr Sub ganz präsent mit einer Singletail.
Sie zog mich absolut in ihren Bann – und eine halbe Stunde später, als ich sie draußen sah, traute ich mir nicht, ihr das zu sagen. In solchen Momenten bin ich leider auch schüchtern. Wenn Du also weißt, wen ich meine, verrate mir gerne ihren Namen.
Und dann? Da ich keine Tanzmaus bin und vom Vortag schon so geschafft war, sagten meine sozialen Batterien: Nope, das war’s! Um zwei Uhr morgens waren wir dann im Bett, ohne groß gespielt zu haben. So schön die Atmosphäre auch war – fürs nächste Jahr wissen wir, dass wir uns das Eintrittsgeld sparen können.
Was bleibt von der ersten BoundCon?
Und sonst? Werden wir nächstes Jahr wieder hingehen? Was bleibt im Gedächtnis nach diesem intensiven Messe-Erlebnis?
Für mich ist es trotz einiger Schwächen ein wichtiges Event für die Szene. Die Vielfalt, Offenheit und Kreativität – das ist das, was zählt. Um mich mit anderen zu connecten würde ich wieder hin, aber nur einen Tag. Und mit klarem Budget für meine Einkäufe!
Und hier noch die Auflösung, warum Du Dir Lillian merken solltest: Sie gibt vom 18.-20. Dezember einen Tantra-Workshop im Refugium Aschaffenburg! Wenn Dich Tantra interessiert, merke Dir das unbedingt vor.


