Als Supportive Sexworker und Independent Escort gebe ich gerne Einblicke in Sessions und Begegnungen mit meinen Gästen. Heute geht es allerdings um einen anderen Mann – meinen. Seit Juni 2026 bin ich verheiratet. Aus der offenen Beziehung wurde eine offene Ehe, mit wunderbaren Momenten, die zeigen, wie vielfältig und lustvoll menschliche Sexualität sein kann.
Hier fünf Momente, die ich mit enthusiastischem Consent meines Partners alias Sir Chris teilen darf.
Überraschender Fund im Doppelzimmer
Ein Haus mitten in Brandenburg. Eine Woche sind Sir Chris und ich auf einem Massage-Workshop, zusammen mit über 30 anderen. Nach einer Massage möchte ich in die Dusche springen, die praktischerweise gegenüber unseres Doppelzimmers liegt.
Somit hab ich mich schon mal ausgezogen und möchte nur noch meine Klamotten im Zimmer gegen ein Handtuch tauschen. Doch als ich eintreten will, höre ich Stimmen. Ich klopfe vorsichtig.
“Herein!”
Ich öffne die Tür… und sehe ein Bild, das mich eigentlich nicht überraschen sollte. Sir Chris im Bett mit zwei Teilnehmerinnen, eine an jedem Fuß. Ich scheine eine Fußmassage zu unterbrechen. Alle drei sind angezogen, nur ich bin nackt.
“Huch, Entschuldigung!“
“Du entschuldigst Dich nicht wirklich dafür, dass Du nackt in Dein eigenes Zimmer gegangen bist?” fragt eine der Damen.
Wir blicken uns alle an… und lachen zusammen los.
Damenbesuch auf dem Sofa
Ein weiterer Grund, warum ich das so witzig fand, abseits der Klamottensituation: Sir Chris mit Damen im Bett vorzufinden, wenn ich zurückkomme, ist keine Seltenheit. Und ja, es ist immer abgesprochen.
So auch einmal, als ich von einem Escort-Treffen zurückkam. Ich wusste, auch Sir Chris hat Besuch. Die Lady und er haben es nicht ins Schlafzimmer geschafft, sondern sind im Wohnzimmer auf der Couch geblieben.
So fand ich sie, beide nackt, und grüßte kurz, bevor ich meine Tasche im Schlafzimmer ausräumen konnte. Das Zimmer war ja frei 😉
Nachricht von der Bar
Und was ist mit Dir, Jay? Auch ich sorge für amüsante Momente in unserer offenen Ehe. Vor besagtem Massage-Workshops in Brandenburg kam ich eine Nacht am Berliner Hauptbahnhof unter, um am nächsten Tag möglichst pünktlich anzukommen – mit der Deutschen Bahn immer wieder ein Abenteuer.
Vor dem Einschlafen bestellte ich noch einen Drink an der Bar. Ich hatte mein Tablet dabei, um zu lesen. Nach kurzer Zeit sprach mich ein junger Mann vom Sofa aus an und wir kamen ins Gespräch.
“Ich fahre zu einem Massage-Workshop.”
“Oh, ich massiere auch sehr gerne! Ich kann Dich auch massieren, wenn Du möchtest.”
Ja genau… Zwischen den Zeilen wusste ich: Das soll mehr werden als eine Massage.
Der Vibe war durchweg positiv und ich fühlte mich wohl. Somit sagte ich ja zur Massage und folgte ihm aufs Zimmer.
Davor bekam mein Mann aber noch eine Nachricht mit einem kurzen Update und der Zimmernummer. Better safe than sorry…
Tränende Augen
Erst im Nachhinein klar wurde eine andere Szene. Sir Chris hatte schon den ganzen Tag mit tränenden Augen zu kämpfen. Erklären konnte er sich das nicht.
Bis er plötzlich in der Küche ein lautes “Fuck!” von sich gab.
“Was ist?” fragte ich.
Nun konnte er sich die Augen erklären: eine allergische Reaktion auf bestimmte Kondome, die auftritt, wenn er eine Person oral verwöhnt, die vorher in Kontakt mit einem Kondom kam.
Und das scheint gestern der Fall gewesen zu sein. Denn die Freundin, die er besucht hatte, war zuvor auf einem anderen Date gewesen.
Ich konnte mich vor Lachen kaum halten.
Allergische Reaktion über drei Ecken, das kann auch nur uns passieren!
Von Schwester bekocht
Abschließen möchte ich mit einer sehr herzlichen Szene. So begab es sich zu einer frühen Zeit unserer Beziehung, dass Sir Chris mich in Bayern besuchte.
Das war recht spontan passiert, somit hatte ich für einen Abend bereits Pläne mit einem Gast.
Als ich meiner Schwester sagte, “Also er ist da, aber ich bin unterwegs…”
Kam von ihr ohne zu Zögern: “Ach so, sollen wir für ihn mit kochen?”
So begab es sich, dass mein Mann von der Familie meiner Schwester bekocht wurde, während ich auf Dinner Date auswärts war…
Szenen einer offenen Ehe mit einer Escort, eben!
Der Schlüssel: Kommunikation
Solche Momente brauchen eins, um zu bestärken anstatt die Beziehung zu schwächen: Kommunikation.
Mein Partner und ich sprechen offen über alles und haben einen klaren Rahmen. Beziehungsmodell “Gönn Dir”, solange der andere alles erfährt (zumindest grob).
So wusste ich in Berlin, dass ich mich entscheiden konnte, zur Massage mit auf das Zimmer des Unbekannten zu gehen, ohne vorher ein Okay einzuholen.
So ist klar, dass er jede Freundin besuchen kann, und nichts vorher freigeben lassen braucht, sollte etwas passieren.
Eifersucht ist bei uns dabei kein Thema. Was nicht heißt, dass es in offenen Beziehungen allgemein so ist.
Ich könnte noch so viel mehr sagen, doch drehe ich den Spieß hier lieber um:
Hast Du Fragen zum Thema offene Beziehung?
Dann gehe ich da gerne in Zukunft darauf ein.



Welch (irr-)witzige Frage, ist doch alles vereinbar, was ihr vereinbart habt und für vereinbar haltet. Deshalb ist diese Frage grade für Eure Konstellation nahezu unzulässig, habt Ihr doch beide durch Euren Beruf und ständige Fortbildung fundamental gelernt, zu kommunizieren, achtsam zu sein, Grenzen zu setzen u.v.m. Somit seid Ihr auch bezgl. der Eifersuchtsfrage anderen Menschen weit überlegen. Lassen wir uns auf ein Gedankenexperiment ein: Da ist ein beiderseits heterosexuelles cis-Mensch-Paar in (zunächst) klassischer Beziehung. Beide gehen einem sogenannten bürgerlichen Beruf nach. Er ist Dachdecker, sie kfm. Angestellte in einem Großraumbüro. Er ist unter der Woche, wenn er nach Hause kommt rechtschaffend müde und schlapp, will nur noch Ruhe oder TV. Geht bestenfalls mal mit seinen Kumpels in die Kneipe oder macht eine Biker-Tour. Sie ist voller Elan, noch ganz ergriffen von den Unterhaltungen mit den Kolleg:innen oder gar von den (netten und harmlosen!) Flirts im Büro, trifft sich zum Shopping oder zum Mädelsabend. Beide sind erfüllt von ihrem Beruf. Und sie lieben einander. Ob eine solche Beziehung nun vor Eifersucht gefeit ist? Nein! Es kommt lediglich aber entscheidend darauf an, ob, was und wieviel der eine dem anderen Menschen erzählt und ihn dadurch teilhaben lässt, ob Freiräume gewährt werden und wie sehr jeder von ihnen mit sich selbst im Reinen ist und wieviel gemeinsame Zeit, gemeinsames Erleben oder me-time angesagt ist. Und so könnten diese beiden auch eine eifersuchtsfreie Offene Beziehung führen; heißt eine solche doch nicht, jede freie Minute durch andere Betten zu turnen, sondern zu wissen, wo man zuhause ist, seinen Anker hat, ohne sich oder dem anderen etwas zu versagen, in der Gewissheit, niemandem etwas vorzuenthalten oder wegzunehmen. Es darf nur nicht auf Kosten des anderen gehen. Und selbstverständlich wird auch diese Beziehung Höhen und Tiefen haben. Nie immer nur märchenhafte Harmonie. Es wird Enttäuschungen bis hin zu Differenzen geben, was bei Dir, liebe Jay und Deinem Partner ja niemals der Fall ist. Grins! Bitte bleibt beide genau so normal wie Ihr seid!