Hinweis: In diesem Beitrag teile ich Erfahrungen mit Depression, Essstörung und düsteren Gedanken. Wenn Du gerade selbst in einer schweren Phase steckst, findest Du am Ende dieses Beitrags Anlaufstellen, die Dich auffangen können.

Es war ein Anruf an einem Montag. Beim Abschied dann ein Nebensatz: “Ach ja, Jay, ich hab da noch was entdeckt…”

Ein einziger Satz. Und mit ihm das Gefühl, das Universum sendet mir ein Zeichen.

Ich kann das schaffen.

Was genau in diesem Anruf gesagt wurde, würde ein eigenes Buch füllen – das bleibt heute zwischen mir und dem Moment. Was ich teilen möchte, ist das Gefühl. Und der Gedanke, der seither in mir arbeitet:

Wie passieren Transformationen eigentlich?

Wenn Du an persönliche Entwicklung denkst, was geht Dir da durch den Kopf? Ich sehe zum einen die kontinuierliche Verbesserung. Jeden Tag ein bisschen besser, im Idealfall. 

Und zum anderen habe ich explosive Momente im Kopf – der Aha-Moment, wo plötzlich etwas klar wird. Der Rock-Bottom-Moment, der uns heulend am Boden kauern sieht, bis wir uns wieder aufrichten.

So einen Moment hatte ich bereits.

Mehrfach.

Und ich hatte Prozesse, die gefühlt nie enden… bis sie dann doch abgeschlossen sind.

Persönliche Entwicklung verläuft in Wellen. Ein Aufprall auf dem Boden der Tatsachen heißt nicht automatisch, dass es danach stets bergauf geht.

Und gleichzeitig braucht es kein Rock-Bottom, keine Eruption, keinen riesigen Moment, wie ich nun herausfinden durfte.

Okay, Schluss mit vagen Aussagen. Lass mich konkret werden.

Weiße schrift auf schwarzem Untergrund: Transformation loading

Beispiel 1: Mein Weg aus der Depression

Wann meine Depression begann, kann ich heute kaum mehr genau sagen. Zusammen mit der Essstörung ist das so ein Henne-Ei-Problem – was war zuerst da? An sich egal. Mitte 20 war ich jedenfalls mittendrin.

Ich habe alles versucht: Gesprächstherapie, Selbsthilfegruppen, Klinik-Aufenthalt. Dann kam ein Tag, an dem ich die düstersten Gedanken dachte, die ein Mensch denken kann – und wusste mit einem BAM, ich muss was anders machen.

Endlich entschied ich mich, Medikamente zu versuchen. Sie waren keine Heilung an sich, aber sie gaben mir einen Schub in die richtige Richtung.

Nach dem BAM kam der Prozess. Jeden Tag etwas besser. Dann wieder mal Rückschritte. Wieder aufstehen. 

Seit ca. 8 Jahren kann ich sagen, ich bin von Depressionen geheilt.

Beispiel 2: Meine Essstörung

Kein Thema, das ich gerne beleuchte. Ein bisschen aufgrund von Scham, doch vor allem weil es so verdammt schwer ist, in Worte zu fassen, wie viel Leidensdruck so etwas verursacht – besonders für Menschen, die das nie selbst erlebt haben.

Essstörungen sind ein weites Feld. Dazu zählen die Klischeebilder von Teenie-Mädchen, die gar nichts essen, aber auch Männer, die Panik bekommen, wenn sie nicht 100% gesund essen können (auch wenn Orthorexie noch keine anerkannte Diagnose ist). Oder auch Menschen in großen Körpern, die hungern (stigmatisierend als “atypische Anorexie” bekannt).

Bei mir war es eine Kombination aus verschiedenen Verhaltensweisen, stark motiviert durch einen verzerrten Blick auf meinen Körper.

Über acht Jahre nahmen die Gedanken und Verhaltensweisen mehr und mehr Raum in meinem Leben ein. Bis sich fast der ganze Tag nur mehr darum drehte.

Die Heilung ist ein langwieriger Prozess – doch auch hier gab es einen Katalysator. Den Anruf vom Anfang dieses Beitrags. Den Aha-Moment, der mir zeigte: Ich kann da raus kommen.

Beispiel 3: Mein Körperbild

Einer der intensivsten Momente ist und bleibt mein „Rock-Bottom“ aus meiner Odyssee mit meinem Körper.

Teil meiner Essstörung war ein extremer Fokus auf Zahlen. Neben Kalorien bestimmte auch die Zahl auf der Waage meinen Alltag. Ich hatte ein Zielgewicht, schon seit ich Teenager bin. Dann würde alles gut, dachte ich.

Mit der Zeit verstand ich, dass die Zahl auf der Waage nicht glücklich machen kann.

Und doch hielt ich daran fest.

Ich hungerte mich zu diesem Gewicht herunter. Weiß noch ganz genau, wie ich die Zahl auf der Waage sah.

Doch es gab weder Feuerwerk noch Regenbogen. Kein Einhorn kam angeritten.

Ich war noch immer genauso depressiv und unglücklich mit mir wie zuvor.

Dann saß ich auf dem Badezimmerboden und weinte.

Hoffnung nach Jahrzehnten

Seit diesem Moment auf den kalten Badfliesen hat sich viel getan.

Ich fand meinen Weg aus der Depression. Konnte das Leben endlich wieder genießen. Eroberte ein großes Stück Selbstwert wieder. Freundete mich mit meinem Körper mehr und mehr an. Erinnerte mich an meinen Impuls, Sexarbeit zu versuchen.

Diese Berufung hat mir unglaublich viel gegeben.

Meine Erfahrungen als Escort sind maßgeblich daran beteiligt, dass es mir so gut geht, wie ich es nie für möglich gehalten habe.

Und doch bleibt in meinem Körperbild-Thema eine letzte Baustelle. Ein letzter Kriegsschauplatz, der mich noch zurückhält.

Hier in die Tiefe zu gehen, würde noch ein Buch füllen. Zudem ist es mir im Detail zu komplex, um es ohne Kontext einfach so öffentlich zu teilen. Ich plane einige Beiträge rund um das Thema, die bestimmte Aspekte beleuchten.

Für heute möchte ich kurz erklären, warum der Mai 2026 für mich immer ein ganz besonderer Monat bleiben wird.

Selfies von Jay beim Yoga und im Bad als Symbol für sanfte Transformation

Sanfte Transformation im Kloster

Schon im Mai 2025 hatte ich einen Durchbruch: Ich erkannte, dass ich meinen Körper und mich als zwei unterschiedliche Entitäten betrachtet hatte. Dabei sind wir ja eins – ein Team, eine Einheit, die miteinander existiert.

Manchmal brauchen offensichtliche Erkenntnisse ewig. Das ist mir schon oft begegnet, und dafür braucht sich auch keine*r schämen.

Diese Erkenntnis war für mich ein BAM. Ein explosiver Moment, der, so wie ich dachte, mich auf die Zielgerade bringen würde.

Doch ich verkannte, dass persönliche Entwicklung und alles Therapeutische eben auch ein Prozess ist. Und der ist Arbeit.

Diese Arbeit hatte ich in der zweiten Jahreshälfte 2025 schleifen lassen. Als ich im Januar diesen Jahres zu einem zweiten Coaching bei Demazer (systemischer Coach, der v.a. Aufstellungen macht) ging, ungeduldig und voller “lass es uns nun endlich abschließen” Energie, war das natürlich die falsche Herangehensweise.

Wenn Du verzweifelt was suchst, findest Du es selten.

Es brachte mich weiter, auch gerade deshalb. 

Nach Januar übte ich mich in Geduld. Ich gab mehr Energie in meine persönliche Entwicklung, in meine Themen und Baustellen. Im Bewusstsein, dass alles seine Zeit braucht.

Im Mai 2026 fuhr ich ganz anders zu Demazer.

Ergebnisoffen. Bereit für alles, was sich zeigen wollte.

Ich hatte kein vorgefertigtes Bild, was passieren müsse.

Und genau das half mir, wirklich etwas zu erreichen.

Doch weißt Du was? Die erwartete Explosion blieb aus. Ich lag nicht heulend auf dem Boden, gebeutelt von der Macht der Transformation.

Stattdessen war es sanft. Sanft und doch mächtig.

Ein leises “Oh – jetzt verstehe ich das”.

Nun bin ich viel freier im Kopf und fühle mich besser in meinem Körper.

Das ist absolut wunderbar – und mega ungewohnt. Nach über 25 Jahren hat sich der Status Quo geändert. ENDLICH!

Aber es ist eben anders als bisher. Aktuell lande ich im neuen Bewusstsein, im neuen Gefühl, und finde einen Weg, das zu festigen. Auf dass diese neue Freiheit von alten, schädlichen Glaubenssätzen das neue Normal wird.

Ich hoffe, Du kannst aus diesem Beitrag auch etwas Hoffnung schöpfen. Egal, was Du gerade durchmachst – oder ob Du einfach nur in dieser chaotischen Welt lebst, das ist eh schon belastend genug – es geht besser.

Ob durch einen großen Moment, kontinuierliche Arbeit oder irgendwas dazwischen – ich wünsche Dir auch eine sanfte Transformation.

Wie war Transformation bei Dir? Eher laut und mit Knall, oder leise und allmählich? Ich freue mich, wenn Du es in den Kommentaren teilst.

PS: Mehr zu meinem Prozess folgt, in kleinen Happen.

Wenn Du gerade Unterstützung brauchst

Falls Du selbst gerade in einer schweren Phase steckst – Du musst da nicht alleine durch. Anlaufstellen, die Dich auffangen:

  • Telefonseelsorge via 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (anonym, kostenlos, rund um die Uhr) sowie Chat- und Mailberatung auf telefonseelsorge.de
  • Deutschen Depressionshilfe und ihr Info-Telefon 0800 33 44 5 33 
  • Bei Essstörungen: Beratungstelefon der BZgA 0221 89 20 31 oder bei anad.de

One Comment

  1. Stefan 31. Mai 2026 at 08:03 - Reply

    Liebe Jay, erst einmal vielen Dank für deine unheimlich tiefgründigen und aus deinem Herzen kommenden Zeilen. DU bist auf dem vollkommen richtigen Weg zu deiner inneren Transformation. Behalt diesen Weg bei und vertrau auf das, was Dir dein Herz und dein Bauchgefühl sagen. Denn die Beiden lügen Dich auf keinen Fall an. Ganz im Gegenteil, sie meinen es gut mit Dir und wollen dein Bestes.
    Was mich betrifft, bin ich seit längerer Zeit ebenfalls auf meinem eigenen Weg, der Selbstfindung und meinen Körper so zu lieben, wie er eben ist. Was auch zur Folge hat, daß ich viele scheinbare Freunde verloren hab, worüber ich nicht einmal traurig bin. Bin seit 11 Jahren, mit ein paar kleinen Unterbrechungen allein. Das hat mich jedoch innerlich weiter gebracht, was meine Einstellung zu mir und meinen eigenen Körper betrifft. Ohne jetzt Unter griffig zu wirken, davon profitiert auch mein Simon. Bin mir seines Daseins als eigenständiges Wesen, welches untrennbar mit mir verbunden ist und das bis zum natürlichen Ende, vollkommen bewusst und seh ihn als unheimlich guten Freund und Lebenspartner, der das Leben mit mir teilt. Deshalb seh ich auch die Geschlechtsmerkmale von euch Frauen ganz anders. Nich einfach als Körperteile und Geschlechtsorgane, sondern als wundervolle Wesen, die euch Frauen ausmachen und die ich auch aus tiefstem Herzen verehre. Ganz besonders die kleinen Mädchen zwischen euren Beinen. Denn diese kleinen Mädchen vermögen unglaubliches zu leisten. Sag nur Geburt eines Kindes.
    Ihr Frauen seid etwas ganz besonderes, das die Natur geschaffen hat. Und leider viel zu oft falsch eingeschätzt und verkannt.

    Dein Stefan

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