Tick. Tick. Der Sekundenzeiger schiebt sich langsam auf 13:30 Uhr zu.
„Sie können anfangen“, sagt die Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes. Ich blättere um, lese die erste Frage – nervös und freudig zugleich.
Vor einem Jahr hatte ich mich entschieden, eine Ausbildung als Sexualtherapeut zu beginnen. Plan: Erst den Heilpraktiker in Psychotherapie ablegen, begleitet von einem Vorbereitungskurs. Dann als zweiter Schritt tiefer einsteigen an der Akademie für Sexualtherapie (AKST).
Als ich meinen Fragebogen am 18. März 2026 abgebe, spüre ich vor allem eines: Erleichterung. Egal wie es ausgeht – erst mal ist es vorbei. Ich habe mein Bestes gegeben. Inmitten von Webseitengestaltung für das Refugium Aschaffenburg und die Raumvermietung, zwischen Content-Produktion und wunderbaren Begegnungen als Sexworker. Und jetzt heißt es: warten.
Aufstehen, Krone richten, weitergehen
Falls Du mir auf Patreon oder Telegram folgst, weißt Du es bereits: Es hat leider nicht gereicht.
Die HP-Psych-Prüfung ist notorisch schwierig – fast alle aus meinem Vorbereitungskurs sind durchgefallen. Und trotzdem: Für mich ist das kein Weltuntergang. Wirklich nicht.
Mein eigentliches Ziel war das Wissen, nicht der Schein. Denn als Heilpraktiker für Psychotherapie dürfte ich meine Klient*innen nicht berühren – und genau das will ich. Ich möchte gesprächsbasierte Arbeit mit Körperarbeit verbinden. Wie ich mich dann nenne, wird sich zeigen – vermutlich irgendwas in Richtung „Coach“.
Was ich trotzdem mitgenommen habe: Ich weiß jetzt, wann ich Menschen weiterschicken muss. Wann echte psychiatrische Grenzen erreicht sind. Denn auch, wenn ich mich schon jetzt “Coach” nennen könnte, trage ich doch eine Verantwortung. Und dieser kann ich durch das Wissen gerecht werden.
Ein offizieller HP-Psych wäre schön gewesen in einer Welt, die Zertifikate liebt. Aber er ist kein Muss. Also: Aufstehen, Krone richten, weitergehen.
Die nächsten Schritte
Denn ich mache ja noch eine andere Ausbildung – und die gibt mir genau das, was ich brauche.
Es ist die Ausbildung zum S*explorativ Coach bei Kristina Marlen. Fünfzehn Jahre Sexarbeit, Sexeducation und traumasensibles Coaching im Bereich Sexualität – kompakt in einer einjährigen Ausbildung gebündelt, die sich auch auf zwei Jahre ausdehnen kann. Was ich tue.
Vor einigen Monaten hatte ich dort pausiert, um mich voll auf die HP-Psych-Prüfung zu konzentrieren. Jetzt freue ich mich, wieder einzusteigen. Was ich dort bereits gelernt habe – durch Selbsterfahrung, Theorie, Praxis-Module – hat mich schon verändert. Davon werde ich hier noch viel mehr teilen.
Und die AKST? Die liegt erst mal auf Eis. Ob ich irgendwann nochmal den HP-Psych versuche, kann ich heute nicht sagen. Allein im letzten Jahr hat sich so viel in meinem Leben bewegt – wer weiß, was noch kommt?
Kleine Schritte. So lässt sich das Leben nicht nur gestalten, sondern auch genießen.
PS: Warum beschreite ich überhaupt diesen Weg?
Das kann ich einfach erklären: Schon früh in meiner Zeit als Escort merkte ich, welches Potential in intimen Begegnungen steckt. Gäste schöpften neue Lebensenergie, fanden mehr zu sich selbst oder begannen neue Lebensabschnitte – gestärkt auch durch eine Begegnung mit mir.
Um den Menschen, die mich anfragen, noch tiefgründiger und fundierter zur Seite stehen zu können, bilde ich mich im Bereich Sexualtherapie fort.
Wenn Du wissen möchtest, wie mein Weg weitergeht, abonniere mich gerne auf YouTube oder komme in meinen Telegram-Kanal.
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Beitragsbild: Andy Barbour



Jenen Menschen, die nur deswegen zu Dir kommen würden, weil Du Schein-heilig bist, kannst Du eh nicht helfen. Mir ist ja auch ein guter Arzt lieber als ein schlechter Dr. med. Akademische Stempel bescheinigen nur und eben genau das. Vielleicht gibt es für solche wunderbaren Menschen wie Dich gar kein passendes Zertifikat …
Da hast Du absolut Recht! Ich bin selbst bei Psychotherapeuten sehr skeptisch – schließlich ist die Psyche seeeeehr vielfältig und nicht jede*r passt auf jeden Klienten.
DANKE für die lieben Worte!
Hy Jay,
Deine Arbeit ist für viele wichtiger denn je. Ich bin überzeugt, dass diese Erfahrung deine Krone noch heller zum Leuchten bringt als zuvor! Ich feiere deinen wunderschönen Mut, für deine Qualitäten einzustehen.
Ui, das hast Du sehr schön formuliert! Danke, lieber Mark.
Hallo Jay,
erstmal vielen Dank für den netten Kontakt und für die liebevollen Ostergrüße.
Ich wünsche Dir auch ein frohes Osterfest.
Zu Deiner Frage zwecks „versagt“😉
Sieh das ganze nicht so negativ, sondern eher positiv. Was hast Du dazugelernt für dein Leben, für die Menschen mit denen du arbeitest. Ganz ehrlich, versagen tut ein Motor, wenn er keine Energie mehr hat, aber in dir steckt weiterhin die Energie und Kraft, die Du für deinen Körper, für deine Seele und für deine Zukunft brauchst. Sie Dich an, schau in den Spiegel, deine tolle Ausstrahlung, deine inneren Werte und dein Lächeln, sind mehr Wert, wie eine nicht bestandene Prüfung. Dafür gewinnst Du vielleicht etwas anderes, was viel mehr Wert ist. Du hast noch eine tolle Zukunft vor Dir, nimm das mit was dir „Lebensenergie“ gibt und verschwende es nicht an dem was Dir „Energie“ kostet.
Denk immer daran „der Weg ist das Ziel“
und ich glaube das Du noch einige Ziele vor dir hast. Geh diesen Weg „positiv“ weiter und denk dabei in erster Linie immer an dich.
Ich hoffe das ich das eine oder andere Wort für Dich gefunden habe, an denen du irgendwann einmal, in einer stillen Stunde denken wirst.
LG Uwe
Vielen herzlichen Dank, lieber Uwe!
Liebe Jay!
Ach mensch, tut mir echt leid für Dich! 😟
Aber wie Du schon richtig geschrieben hast, so ein Schein ist natürlich immer gut, klar, aber Du konntest auch so viel mitnehmen und das „entschädigt“ doch zumindest etwas!
Du machst das Beste daraus, da bin ich mir sicher! 😉
Alles Gute, Stefan
Vielen herzlichen Dank!