Von meinem ersten Besuch in einem sexpositiven Club durfte ich bereits erzählen. Ein Jahr später ist es dann soweit: Ich bin auf eine private Play Party eingeladen. Über 80 Gäste, ein Haus. Alles darf, nichts muss.
Wer kommt zu so einer Party? Was passiert da wirklich? Wie bereite ich mich vor? Habe ich Erwartungen? Und was habe ich tatsächlich erlebt? In diesem Blog erzähle ich Dir ehrlich von meiner ersten privaten Play Party.
Vorbereitung: Das richtige Outfit
So sehr ich auch Kuschelsex liebe, visuell hat die Kinky Community deutlich mehr zu bieten. Von buntem Latex über hochwertige Korsetts, Pet Play, Uniformen, Netzoberteile und natürlich klassisches Leder.
Das Outfit signalisiert vor allem auch eines: welche Dynamik die Person interessiert.
Halsband und leicht bekleidet? Er oder sie will sich eher hingeben.
Power Outfit, vielleicht auch noch mit Gerte oder Peitsche in der Hand? Die Person möchte wohl eher dominieren!
So starr sind die Grenzen zum Glück nicht. Switching, also der Wechsel von Dynamiken, wird immer präsenter. Es gibt einige klare Zeichen, wie ein Halsband mit Ring oder Toys in der Hand, doch bei vielen Gästen auf der Party kann ich nicht auf Anhieb sagen, welche Dynamik sie bevorzugen.
Für mich war die Entscheidung klar: Body, Corsage, Glitzer-Harness und Federn.

Selten verliebe ich mich in Kleidung. Das Ensemble war Liebe auf den ersten Blick bei einer Messe im Oktober 2025 und freut sich seitdem auf jede Chance, getragen zu werden. Auch, wenn es vielleicht nicht zu der devoteren Dynamik passt, die ich an dem Abend suche.
Was erwarte ich von der Play Party?
Das ist eine gute Frage. Ich bin gemeinsam mit meinem Partner Sir Chris vor Ort, doch die Wahrscheinlichkeit besteht, dass wir getrennt voneinander aktiv werden – falls wir aktiv werden.
Schließlich gilt: Alles kann, nichts muss. Und um zu “können”, braucht es bei mir viel Vertrauen. Vor allem, wenn ich mich hingeben will.
Ob diese Tiefe an nur einem Abend mit einem bis dato fremden Gegenüber erreicht werden kann? Ich beschließe, es einfach auf mich zukommen zu lassen. Für mich ist es genauso spannend, einfach im Party Space zu sein, zuzusehen und alles auf mich wi
rken zu lassen.
Wer kommt zu so einer Party?
Im Gegensatz zu öffentlichen Play Parties, wie in der Grande Opera oder im KitKat Berlin, sind in diesem Fall alle Gäste der Gastgeberin bekannt. Ob persönlich oder nach Empfehlung und Vorgespräch, das macht etwas mit der Stimmung.
Ich erlebe es an diesem Abend sehr familiär. Uns alle eint ein Interesse an Kink sowie die Verbindung mit der Gastgeberin. Gespräche entstehen sehr einfach, alle sind total offen und erzählen von sich, ihren Erfahrungen und Vorlieben.
Wieder einmal begeistert mich die Vielfalt der Kink-Szene: klassische Paare aus dominanten und submissiven Parts, lockere Verbindungen, Menschen, die mal aktiv, mal passiv sind. Viele Fessel-Liebhaber, die sich über die von den Decken hängenden Bambusrohren freuen und ihr Gegenüber in die Seile hängen. Playfighter, Pet Player, Latexmasken, Zofenoutfits. Spanking-Fans, Pain-Sluts, NS-Gourmets, und dazwischen einige eher unscheinbare Gestalten… Wow!

Wie läuft eine private Play Party ab?
Allgemein sagen kann ich das nicht. Dieser Blog bezieht sich auf meine Erfahrung auf einer Party, also kann ich nur für diese sprechen.
Ankommen und umziehen ist für 18-19 Uhr angesetzt. Um 19 Uhr begrüßt uns die Gastgeberin sowie der Dungeon Master, der ein Auge auf alles haben wird und für Fragen aller Art ansprechbar ist, damit die Gastgeberin ihre eigene Party genießen kann.
Ein kleines Buffet steht bereit, ebenso vielerlei Getränke. Um 20 Uhr ist eine Fessel-Show geplant, um 22 Uhr verwandeln zwei Kinkster das Badezimmer in einen “Room of Fluids”. Ja, mit Körperflüssigkeiten aller Art.
Ort des Geschehens ist übrigens das Privathaus der Gastgeberin, einschließlich zum Dungeon ausgebauten Keller. Dort finden sich BDSM-Möbel wie Strafböcke, das ein oder andere Bett oder bettähnliche Oberflächen sowie ein Käfig. Auch einen Flaschenzug habe ich beim Rundgang erspäht.
Ein paar bekannte Gesichter finde ich unter den Anwesenden. So vergeht die Zeit bis zur Fessel-Show im Flug mit “Wie geht’s Dir?” und “Wow, tolles Outfit!” Unterhaltungen.
Fesselshow von Victor und Raquel aus Barcelona
Um kurz vor 20 Uhr finden sich alle Gäste im Erdgeschoss ein. Dort hängt ein Bambusrohr über Tatami-Matten. Hier wird Victor seine Partnerin Raquel fesseln. Was unspektakulär klingt, war eine der intensivsten Bühnenshows, die ich bisher sehen durfte.
Die beiden fesseln seit fünf Jahren zusammen und führen eine Fessel-Schule auf Barcelona. Auf der Bühne ist ihre Verbindung so spürbar – sie fesseln auch das Publikum. Das Seil gleitet durch Victors Finger. Vorab sagte er mir, dass die beiden immer improvisieren. Die Show entsteht im Moment. Was auch Sinn macht, da Bondage sich je nach Tagesverfassung sehr unterschiedlich auf den Kreislauf auswirken kann, auch bei erfahrenen “Rope Bunnies”.
In jedem Fall sehe ich gebannt zu, wie Victor immer neue Positionen für Raquel findet, sie an ihre Grenzen bringt – und sie jede Sekunde sichtbar genießt.
Lasset die Spiele beginnen
Danach nimmt die Feier merklich an Fahrt auf. Die über 80 Menschen verteilen sich über Erdgeschoss und Keller. Andere Fessel-Paare schnappen sich den Bambus und probieren eigene Flows.
Die Küche wird, wie wohl bei jeder Party, zum Zentrum der sozialen Interaktionen.
Als Sir Chris mit einer sehr zierlichen Person ins Gespräch kommt, wird schnell klar: hier entsteht ein Playfight. Da ich bei den Vorbereitungen geholfen habe, weiß ich, wo die passende Unterlage ist. Verbrennungen am Teppich sind auch bei BDSM-Parties nicht so geil.
Im Keller sehe ich, wie schon erste erotische Interaktionen stattfinden. Interessierte Gäste sehen zu (was sich deutlich von “Gaffen” unterscheidet, da es sehr wertschätzend und bewusst ist). Ich finde die Playfight-Unterlage, wo ich sie abgestellt habe, und bringe sie nach oben. Inzwischen wird es enger auf dem Boden, da mehr Konstellationen in Interaktion treten. Fesseln, berühren, manchmal weh tun… die Bandbreite ist enorm.
Ich lasse mich in einem Stuhl nieder und schaue zu, wie der Play Fight von Sir Chris und seinem Gegenüber eskaliert. Es hat etwas sehr martialisches – keiner von beiden hält sich zurück, im abgesprochenen Rahmen. Zugleich finde ich es unglaublich lebensfroh und frei. Spielen, einfach so. Erotik braucht kein Teil davon sein.
Nachdem beide außer Atem sind, suchen sie sich im Keller einen Platz zum gegenseitigen Fesseln, während ich im Gespräch mit einem Gast versumpfe. Ich lerne viel über BDSM-Stammtische und die Bedeutung von Kontakt zur Community, vor allem für Menschen, die auf dem Dorf von ihrer Neigung erfahren und sich alleine fühlen.
Persönliche Eindrücke
Die Zeit verfliegt. Mir bleiben kleine Snapshots in Erinnerung – Momentaufnahmen, welche die Vielfalt und den Spaß der Party zeigen.
Zwei Damen, die einem Sub begeistert erzählen, dass sie nun mehrere Liter Wasser getrunken haben, um ihm Natursekt geben zu können.
Eine Pet Playerin, die glücklich mit Spielzeug-Knochen-Knebel neben ihrer Herrin kniet und gestreichelt wird.
Kleine Gesten innerhalb einer Spielbeziehung, die im beteiligten Partner unglaubliche Wirkung entfalten.
Eine Flussigkeits-Sammlerin, die ganz happy im Dungeon ruft, “Ich habe Squirt bekommen!”
Ein junger Mann, der seine Freundin an Seilen aufhängt, während ich mit anderen im Gespräch vertieft bin und herrlich zusehen kann.
Genusslaute, Schmerzensschreie. Für manche ein Synonym an diesem Abend.
Für mich wird gegen Mitternacht klar, dass ich inaktiv bleibe. So wohl ich mich auf der Party fühle, ein Funke ist nirgends übergesprungen. Und einfach so in die Dominanz gehen, um zu spielen, damit ich eben was gemacht habe?
Ja, das wäre eine Option. Bereitwillige Spielpartner und Spielpartnerinnen hätte ich sicherlich gefunden. Doch wozu? So neugierig ich auch bin, ohne eine Verbindung gibt mir Interaktion wenig.
Zudem bin ich langsam echt müde. Nach Mitternacht bin ich selten wach.
Also entscheide ich mich, gut zu mir zu sein, und ziehe mich gegen 1 Uhr morgens zurück, um zu schlafen.
Spätes Frühstück im Kink House
Am nächsten Morgen bin ich dadurch überraschend ausgeruht, als ich wie versprochen helfe, das Frühstück zu organisieren.
So viele müde aber glückliche Gesichter habe ich selten erlebt. Die Unterhaltung ist locker, offen. “Was hast Du erlebt? Wie war’s bei Dir?” Unterschiedliche Erfahrungen sammeln sich um den Tisch.
Ich grinse noch beim Schreiben – die Kinky Community, die ich kennenlernen darf, ist einfach voll von wunderbaren Menschen.



Sehr interessant und offen dargestellt. Dankeschön. Fred schönen Sonntag.
Vielen Dank!
Danke für diese doch auch sehr persönliche Einblicke in so ein Event, die meine Horizonte erweitern. „Und einfach so in die Dominanz gehen, um zu spielen, damit ich eben was gemacht habe? […] Doch wozu? […]“ Stark! Spricht Bände. Danke! 🙏
Danke Dir ganz herzlich!
Vielen Dank für Deinen Einblick in diese Community. Ich picke mir mal den „Play Fight“ raus, was ist das? Die Ella habe ich auf Bildern auch mal so was machen sehen.
Als Kind hat mein Bruder mich in den „Schwitzkasten“ genommen fand ich ungeil, weil ich der Schwächere war, aufgrund des Altersunterschiedes. Wo ist da der „Kick“, wer gewinnt dabei?
Wieder Neuland für mich…..
Dass du nur ein Zuschauer warst imponiert mir sehr. Auch dein offener Bericht über die Play Party finde ich sehr gut.