Über Jay Stark
Wie kommt ein Oberpfälzer Dorfkind bitte auf die Idee, Escort zu werden?
Den Gedanken hatte ich schon mit 19. Damals war ich in den Anfängen einer heftigen Depression und bei weitem nicht selbstbewusst genug, um mich auf Plattformen “anzubieten”. Nach einigen Tiefen und viel Wachstum wagte ich 2019 den Schritt. Ich wusste: Wenn ich es nie versuche, würde ich mich immer fragen, was gewesen wäre, wenn…?
Und ganz ehrlich, es war die beste Entscheidung meines Lebens!
Ich lernte in den folgenden Jahren nicht nur meine Gegenüber in ihrer Individualität zu schätzen, sondern auch mich selbst.
Nun verorte ich mich explizit abseits des Hochglanz-Klischees, das viele Leute mit Escort verbinden, und weiß, dass mich die Menschen finden, die mit meiner Art in Resonanz gehen.
Tritt näher
Eine Sedcard suchst Du hier deshalb vergeblich.
Gerne verrate ich Dir, dass ich 160 cm groß und im Intimbereich teilrasiert bin. Das heißt, ich habe gepflegte Haare auf dem Vulvahügel und bin darunter glatt. Diese Version der Intimfrisur fühlt sich für mich aktuell am besten an.
Solltest Du fragen wollen, ob Du Dich vor einer Begegnung rasieren sollst, möchte ich Dich ermutigen: Handhabe das bitte so, wie Du Dich am wohlsten fühlst. Es ist mir wichtig, dass Du bei mir ganz Du selbst sein kannst.
Was kann ich Dir sonst verraten?
Ich bin Katzenmensch, Theaterkind, habe einen Bachelor in Anthropologie, lebe vegan, schreibe leidenschaftlich gerne, nutze kein Parfüm und habe eine Vorliebe für schwarzen Tee und trockenen Rotwein.
Falls Du mehr Fakten über mein Aussehen und meinen Körper brauchst, bevor Du mich für ein Treffen anfragst, bist Du bei mir an der falschen Stelle. Das ist nicht meine Art von Sexarbeit.

Wie ich Sexualität sehe
Während meiner Depression war ich mir sicher: Sexualität ist überbewertet.
Inzwischen weiß ich, dass Berührung und Intimität zu einem erfüllten, glücklichen Leben gehören.
Und dass Genuss zu zelebrieren in unserer leistungsorientierten Gesellschaft schon einem revolutionären Akt gleicht.
Mehr zu Pleasure Activism bald hier im Blog (folgt).
Intimität umfasst für mich dabei so viel mehr als körperlichen Kontakt. Mit Menschen intim zu werden beginnt im ehrlichen Erstkontakt. Für mich zählt ein Kuss bereits als Sex, ohne dass mehr passieren muss.
In meiner Gegenwart stehst Du im Mittelpunkt, auch wenn wir menschlich auf Augenhöhe sind. Gemeinsam entfliehen wir dem Alltag und Du darfst genießen, Dich fallen lassen, einfach sein so wie Du bist. Als Reaktions-Fetischist ziehe ich meine Befriedigung vor allem daraus, zu sehen, welche positiven Gefühle ich auslöse.
Das “Wie” ist unglaublich vielfältig. Ich bin mega neugierig und verspielt, genieße vor allem die langsame Sinnlichkeit, die in einer bewussten, achtsamen Begegnung entstehen kann.
So schön ein Höhepunkt auch ist, brauche ich ihn persönlich nicht. Einige der Menschen, die ich treffe, haben ausgeprägte Orgasmus-Hemmung oder ein Thema mit der Erektionsfähigkeit oder Intimkontakt. Für mich gibt es bei Begegnungen kein festes Skript. Wir spüren in die Verbindung hinein und folgen dem Fluss, der dabei entsteht.
Als nichtbinäre Person im weiblichen Körper finde ich strikte Rollenverteilung eh überholt. Außer sie entsteht explizit in einem Machtgefälle, wie beispielsweise im Fetisch- oder BDSM-Bereich.
Wenn Du also ausbrechen möchtest oder Dich von inneren Regeln lösen möchtest, herzlich willkommen!
Was Sexarbeit für mich bedeutet
Von meiner Mentorin Kristina Marlen durfte ich lernen, wie sehr Sexarbeit auch Carearbeit ist. Selbst die direkteste sexuelle Handlung beinhaltet emotionale Arbeit. Wenn wir tiefer gehen, kann Sexarbeit unterstützend sein, oder Menschen gar auf ihrem Heilungsweg begleiten.
Ich sehe mich als Sexworker, aber auch als Begleitung, als Coach, als Muse, als Cheerleader, als Spiegel. Und ja, im Sinne des “reclaimed slur” auch als Hure und Teil der internationalen Hurenbewegung.
Sexarbeit vereint Diskurse von Gender, Arbeitsrechten, Migration und vielem mehr.
Und bevor ich hier noch weiter abschweife, lass uns zurück zum Handfesten gehen.
Wie Berührung helfen kann
Wie hilfreich Berührung auf dem Heilungsweg sein kann, habe ich am eigenen Leib erfahren dürfen. Meine Depression, die mit 19 begann, hat fast ein Jahrzehnt meines Lebens verdunkelt. Damit einher ging eine schwere Essstörung, verknüpft mit einer Körperbildstörung.
Berührung war für mich nichts, was ich zulassen wollte.
Erst als mir meine Körpertherapeutin eine Hausaufgabe gestellt hat, die ich als Musterschüler natürlich perfekt ausführen wollte, geriet meine Einstellung ins Wanken. Ich sollte mir fünf Umarmungen pro Tag abholen. Das führte dazu, dass ich nach mehr Kontakt fragen musste, trotz enormer Widerstände. Anfänglich nur bei Familie, dann auch bei Freunden. Und ich merkte – es hilft mir. Die Dunkelheit lichtet sich.
Was als kleine Hausaufgabe begann, hat mir gezeigt, wie viel Potential in Berührung steckt.
Heute finde ich es unglaublich bereichernd, das weitergeben zu dürfen und solche Räume für andere öffnen zu können.
Divers, was?
Wenn Du gerade oben über das Wort „nichtbinär“ gestolpert bist, dann möchte ich das hier kurz einordnen.
Ich bin im weiblichen Körper geboren, fühlte mich darin aber nie ganz wohl – ohne mich deshalb ‚im falschen Körper’ zu fühlen oder mich nach anderen Geschlechtsteilen zu sehnen.
Als ich Anfang 20 dann entdeckte, dass einige Menschen Geschlecht auch außerhalb des entweder-oder von Mann und Frau denken, war es, als würde das letzte Puzzlestück auf den richtigen Platz fallen. Seitdem bezeichne ich mich als divers, also außerhalb der starren männlich-weiblichen Binarität, die unsere Gesellschaft so prägt. Ein besseres Wort dafür habe ich noch nicht.
Doch keine Sorge: In der Sexarbeit lebe ich vor allem meine weibliche Seite aus. Es ist okay für mich, hier als Frau gelesen zu werden. Du kannst auch problemlos mit sie/ihr Pronomen über mich sprechen. Wenn Du es genau nehmen möchtest, bezeichne mich als Person, nicht als Frau.
Noch immer neugierig? Genauer gehe ich auf das Thema bald im Blog ein. (folgt)
Mehr von Jay Stark
Wenn Du hören möchtest, wie andere über mich berichten, findest Du aktuelle größere Erwähnungen auf meiner Presse-Seite.
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